„TRIGON“: Kunst als Protokoll der Zeit

 „TRIGON“: Kunst als Protokoll der Zeit

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90,300,0,50,12,25,50,1,70,12,1,50,1,0,1,5000
Graz 1975
Vorsatzpapier, Katalog trigon 75
Graz 1963
Günter Waldorf, Katalogumschlag TRIGON 63
Graz 1965
Katalogumschlag TRIGON 65
Graz 1967
Gerhard Wolf, Katalogumschlag trigon 67
Graz 1969
Karl Neubacher, Gerhard Wolf, Katalogumschlag trigon 69
Graz 1971
Gerhard Wolf, Katalogumschlag trigon' 71
Graz 1973
Karl Neubacher, Gerhard Wolf, Katalogumschlag trigon '73
Graz 1975
Werner Fenz, Katalogumschlag trigon 75
Graz 1977
Werner Fenz, Katalogumschlag trigon 77
Graz 1979
Gea d'Este, Peter Hoffmann, Katalogumschlag trigon 79
Graz 1981
Werner Fenz, Josef Ploder, Katalogumschlag trigon 81
Graz 1983
Werner Fenz, Josef Ploder, Katalogumschlag trigon 83
Graz 1985
Werner Fenz, Katalogumschlag trigon 85
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Ende der fünfziger Jahre drohten die Grenzen der Steiermark nicht nur ein geographisches Territorium, sondern gleichzeitig auch ein Getto provinzieller Kunstübung und -betrachtung zu markieren. Die Avantgarde der Nachkriegszeit wurde auf anderen ,,Prüfstanden“ dem Urteil des Publikums ausgesetzt: in Wien und in Linz. Es war in erster Linie der von einflussreichen bürgerlichen Kreisen und den ihnen nahestehenden Medien erzeugte Druck der Tradition, der ein Klima der Polarisierung ohne jede Möglichkeit des Brückenschlages schuf.

Zwei Ereignisse setzten ein auch außerhalb des ,,künstlerischen Untergrundes“ deutlich sichtbares Signal in der weitgehend statischen geistigen Landschaft. Scheinbar aufgrund der zeitlichen Distanz ohne unmittelbaren Zusammenhang fußten die Gründung des Forum Stadtpark im Jahre 1960 und die drei Jahre später erstmals veranstaltete ,,trigon“-Ausstellung auf einer gemeinsamen ideellen Grundlage: Heraus aus der geistigen Enge eines falsch verstandenen Heimatbegriffes! War es beim ,,Forum“ die Privatinitiative junger Künstler und Kritiker, die zum Tragen kam, als es galt, ein abbruchreifes Stadtpark-Cafe in ein Begegnungszentrum für die verschiedensten Sparten der Kunst zu verwandeln, so konstituierte sich ,,trigon“ als offizielle Veranstaltung des Kulturreferates der Steiermärkischen Landesregierung.

Sucht man nach den Wurzeln dieses geistigen Aufbruchs, dieses Nachholbedarfs und Anschluss-Suchens, gelangen wir, für manchen von uns sicherlich überraschenderweise, zu einem historischen Ereignis und Fest: zum ,,Steirischen Gedenkjahr 1959″. Die vielen Veranstaltungen aus Anlass des 100. Geburtstages von Erzherzog Johann in Stadt und Land, der Festzug, die Gedenkausstellung, erfuhren durch den Organisator, den Universitätsprofessor für Volkskunde und Kulturreferenten des Landes, Hanns Koren, eine aus persönlicher Überzeugung gewonnene kulturpolitische Ausrichtung. Der Blick in die Vergangenheit sollte mit der Bewältigung der Gegenwart und der Planung der Zukunft eng verknüpft sein. Korens Begriff von Tradition, die nicht Ziel, sondern Ausgangspunkt sei, ebenso wie deren Formen Anregungen seien, aber keine zu kopierenden Vorbilder, eckte aber auch an. Mehr als einmal musste er seine Absichten damals und noch Jahre später gegen scharfe Kritiker gerade auch aus dem eigenen politischen Lager verteidigen.

Durch diese unbeirrbare Gesinnung Korens aber durfte das Forum Stadtpark neben dem unermüdlichen Einsatz der Gründungsmitglieder auf das Verständnis und die Förderung der öffentlichen Hand (vor allem jener des Landes Steiermark) hoffen. Der integrative Kulturpolitiker war dafür verantwortlich, dass das neue Künstlerzentrum via Steirisches Volksbildungswerk in den ,,Steirischen Ehrenspiegel“, einen Kodex jener bleibenden Werke über den unmittelbaren Anlass des ,,Steirischen Gedenkjahres“ hinaus, eingetragen wurde. In dieser Gesinnung, die versteckten oder offenen Widerstand provozierte, lag das Samenkorn für die offizielle Initiative des Landes im Bereich der zeitgenössischen bildenden Kunst. Koren hatte die geistige Enge auf wissenschaftlichem Gebiet bereits 1960 überwunden und den ,,Schritt hinaus aus ‚dem Glück im Winkel‘, das es nicht mehr gibt“, getan: mit der Einrichtung der ,,Sommerakademie“ im Schloss Eggenberg. Sie stand unter dem Motto ,,Steiermark, das Land der Begegnung“ und führte Wissenschaftler aus vielen Ländern zum Tagungsort. Während 1960 und 1961 die ,,Akademie“ als wissenschaftliche Veranstaltung den Grazer Sommerspielen, einer Veranstaltungsreihe der darstellenden Künste, zugeordnet war, fand sie 1962 erstmals Mitte September statt. Eine nur oberflächlich unbedeutende zeitliche Verschiebung. Dahinter war der unermüdliche, stets publizistisch untermauerte Versuch zu erkennen, die geistigen und künstlerischen Kräfte im Herbst zu konzentrieren. Lange vor der offiziellen Konstituierung der Veranstaltungsreihe ,,steirischer herbst“ im Jahre 1968 – dem damals einzigen österreichischen Festival der Gegenwartskunst – war diese als Idee und Absicht auch in der Öffentlichkeit präsent.

Für die bildende Kunst fand Koren mit dem Begriff und dem Raum ,,trigon“ ein Jahr vor der Eröffnung der historischen ,,Innerösterreich“-Ausstellung (,,Graz als Residenz“) 1964 einen bemerkenswerten, konzentrierten Rahmen. Graz als Hauptstadt der Länderdreiheit Steiermark-Kärnten-Krain sollte zum Ort der Begegnung germanischer, slawischer und romanischer Kulturkreise werden. Wiederum ließ sich vom Volkskundler Koren aus der Geschichte ein sinnvoll beschränkter – und auch finanziell verkraftbarer – Überblick über die Gegenwartskunst ableiten. Die Idee, dass Heimat Tiefe, nicht Enge sei, konnte historisch fundiert greifen. Korens aufgeschlossenes, freundschaftliches Verhältnis zu jungen Künstlern und engagierten Kunstpublizisten, die, gemeinsam oder unabhängig voneinander, über die ,,Heimat“ hinausgeblickt hatten, bestärkte ihn in seiner kulturpolitischen Absicht. Die Erfahrungen, die namentlich das Forum Stadtpark mit Kunst- und Künstleraustausch aufzuweisen hatte, ermunterten zweifellos das Kulturreferat, neben der wohlüberlegten Zielsetzung auch die Organisation in den Griff zu bekommen.

Nach programmatischen Eröffnungsworten Korens im Weißen Saal der Grazer Burg, mit Blick auf die Skulpturen im anschließenden Burggarten, nahm am 14. September 1963 die Öffentlichkeit und die Kunstkritik erstmals eine Ausstellung in Augenschein, wie sie bisher in diesem Umfang und in dieser Konstellation nirgendwo in Österreich zu sehen war. Ein (zu) großes Team an Fachleuten und Kulturreferenten aus dem benachbarten Ausland und aus Österreich hatte die Auswahl getroffen. Den 79 österreichischen Künstlern – sie waren im Künstlerhaus untergebracht – standen 37 Italiener (im Palmenhaus des Burggartens) und 18 Jugoslawen (Forum Stadtpark) gegenüber. Die Großplastiken waren ,,vermischt“ im Burggarten aufgestellt. Prinzipiell verhielt sich die Grazer Kunstkritik (und mit ihr auch der überwiegende Teil der österreichischen) dem Grundkonzept gegenüber positiv. Im Verlauf der Ausstellung, die mit dem zugeordneten und in der ,,Steirischen Akademie“ abgehandelten Symposion ,,Zeitgeist und Kunst“ starkes publizistisches Echo fand, kristallisierte sich im bürgerlichen Lager, als dessen Sprachrohr sich die ,,Tagespost“ auswies, ein starkes Unbehagen am Inhalt der gezeigten Exponate heraus. ,,trigon“ wurde zum Kunstschock, hervorgerufen in erster Linie durch einen zu hohen, nicht tolerierten Anteil an abstrakter Malerei und Plastik. Aus den zahlreichen Polemiken rund um das erste ,,trigon“ erweist sich, dass der Nachholbedarf, nicht nur für die‘ breite Öffentlichkeit, sondern auch für das interessierte Bildungsbürgertum, offensichtlich ein großer war. Wie anders als provinziell konnte man es bezeichnen, wenn im Jahre 1963 über Legitimität oder Illegitimität abstrakter Formensprache diskutiert und gerichtet wird, über eine künstlerische Ausdrucksform, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und den USA, ja auch in Österreich, längst im Repertoire der Malerei wie der Plastik vorhanden war.

Schon in der Eröffnungsansprache von Landeshauptmann Josef Krainer wurden die Weichen für die Zukunft der ,,Steirischen Biennale“ gestellt, als er seiner Hoffnung Ausdruck gab, ,,dass sie sich würdig in den Kreis jener periodisch wiederkehrenden Kunstausstellungen einfügt, die in vielen Städten und Ländern unserer Erde immer wieder die Menschen zusammenrufen, um ihnen den Ausdruck ihrer Zeit durch die wohl unverdächtigsten Gewährsleute zu vermitteln“. Während sich ,,trigon 65″ prinzipiell von der Vorgängerveranstaltung nicht unterschied, aber durch eine sinnvolle Konzentration sowohl bei den auswählenden Kommissaren als auch bei den eingeladenen Künstlern — pro Land wurden fünf Maler und drei Plastiker vorgestellt — Überschaubarkeit und Qualität steigerte, entwickelte man zwei Jahre später eine entscheidend neue Organisationsform. Mit der Durchführung wurde die Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum unter ihrem neu bestellten Leiter Wilfried Skreiner betraut, der bis heute die Ausrichtung der Veranstaltung verantwortet.

Skreiner stellte die Biennale 1967 gemeinsam mit dem kontinuierlich arbeitenden und erst im letzten Jahrzehnt erweiterten ,,trigon-Rat“ unter ein Thema: ,,ambiente — environment“. Mit ,,ambiente“ war die gestaltete Umgebung des Menschen gemeint. Angebote, das normale, traditionelle Raumerlebnis in Frage zu stellen und neu zu akzentuieren, stellten den Ausgangspunkt der konzentrierten Beiträge dar. Malerei, Plastik und Architektur verschmolzen dabei zu einem einzigen, unterschiedlich artikulierten Erfahrungsbereich, die engen Grenzen der Kunstsparten wurden, in Übereinstimmung mit der internationalen Kunstentwicklung und mit ähnlich gelagerten ausländischen Projekten, aufgehoben. Von außen nach innen zog sich rund um das Künstlerhaus eine Spur des Ungewohnten, Erstaunlichen, Ungeheuerlichen. Durch die Einbeziehung des umgebenden Parkareals setzte ,,trigon 67″, wie beabsichtigt, urbane Signale. Diese stießen in der Öffentlichkeit auf Aufmerksamkeit, Interesse – vor allem unter der studentischen Jugend – und Ablehnung. Die Kosten-Nutzen-Rechnung wurde angestellt, Worte wie ,,oberflächlicher Modernismus“, ,,gesundes Volksempfinden“ und ,,Ewiggestrige“ fielen im Meinungsforum und auf höchster politischer Ebene. Hanns Koren musste sich vor dem Landtag rechtfertigen und brach eine Lanze für die ,,Kunst als Protokoll der Zeit“.

In den Folgebiennien, 1969 und 1971, war jeweils die Architektur zentrales Thema des ,,trigon“: einmal unter dem Titel ,,Architektur und Freiheit“, nachfolgend als ,,intermedia urbana“. Als neu erwies sich in der Organisation die Tatsache, dass in den ,,trigon“-Ländern ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde und für die besten Einreichungen Preise zur Verfügung standen (1971 entsprach nach Meinung der Jury keine der vorgelegten Arbeiten der Ausschreibung, so dass unter dem wütenden Protest der Architekten und der Medien von der Preisauszeichnung Abstand genommen worden war. Der Grund der Ablehnung lag im fehlenden Bezug zum urbanen Raum Graz). Architektur sollte jeweils im weitesten Sinn verstanden werden, somit tauchten in der Ausstellung nicht nur Pläne und Modelle auf, sondern auch ,,Lernobjekte“, Informationsmaschinen und Spielgeräte. Dadurch entstand für das Publikum ein stark sinnlich ausgerichteter Erlebnisbereich.

Im Jahre 1973 wandte sich ,,trigon“ einem bisher in unseren Breiten kaum bekannten neuen künstlerischen Medium zu: der Videokunst. Schon die Ankündigung des Themas erregte höchstes Interesse. Da man auch die Lehren aus dem doch etwas verunglückten ,,trigon 71″ gezogen hatte – zu wenig Transparenz bei der Entscheidung der Jury — und schon früh die publizistische Unterstützung suchte, war das Ereignis schon vor der eigentlichen Ausstellungseröffnung im Bewusstsein der Künstler und Kunstinteressierten präsent. Im Mittelpunkt der Schau sollte die Befragung des Mediums Video hinsichtlich der Verschleierung oder der Aufdeckung und Erweiterung von Wirklichkeit sowie das Einbeziehen des Publikums als Gestalter oder Vollender von Aktionen stehen. Amerikanische und japanische ,,Underground-Produktionen“ ergänzten die Projekte der Künstler aus den ,,trigon“-Ländern. Die ,,Audiovisuellen Botschaften“ waren nicht nur am Ausstellungsort selbst, sondern auch über die Region hinaus virulent.

Objekte, Fotos, Spiegel, Comics, Installationen und Aktionen prägten im Wesentlichen das Bild von ,,trigon 75″. Die Beiträge sollten das Thema ,,Identität – Alternative Identität – Gegenidentität“ veranschaulichen. Vielfach wurde auf die Schwierigkeiten einer nahezu philosophischen Problemstellung verwiesen. Obwohl es zweifellos kein ,,griffiges“ Thema war, gab es qualitätvolle und reizvolle Beiträge. Gerade ,,trigon 75″ machte in verstärktem Umfang deutlich, dass die konservativen Publikumsschichten dem Künstler in keinem Fall die Freiheit des Experiments zuzugestehen bereit waren, und die Ikonografie der Gegenwartskunst auf Unvorbereitetheit und ein Bollwerk des Widerstandes stieß. Längst war die ,,Getto-Situation“ der Gegenwartskunst nicht mehr so ausgeprägt wie zu den Anfangen des wichtigen kultur- und gesellschaftspolitischen Unternehmens, doch die starken Reibungsflächen zeigten auf, dass Sinn und Auftrag des ,,trigon“ auch von dieser Warte aus nach wie vor aktuell waren.

Die Biennale 1977 suchte unter dem Titel ,,Der kreative Prozess“ auf die persönlichen Gestaltungskräfte jedes einzelnen hinzuweisen, die frei von greifbarem Nutzen sind. Damit war ein Problemkreis angeschnitten, der auch aus unserer heutigen Sicht von einem großen grundsätzlichen Stellenwert ist. Erstmals reichte die Veranstaltung wieder über das Künstlerhaus hinaus. Da 28 Künstler eingeladen worden waren, zog man die Neue Galerie als zweiten Ausstellungsort heran. Die Diskussion drehte sich diesmal um den Vermittlungsprozess – er wurde von der Neuen Galerie durch die Einrichtung einer ,,Kunstauskunft“ in die Praxis umgesetzt – und um die Frage, ob sich ,,die neue Kunst ihre Schauplatze selbst suchen wird“ müssen, da im Ausstellungskontext Kreativität allein nicht vermittelt werden kann.

Mit ,,Hurra, die Frauen!“ wurde ,,trigon 79″ begrüßt. Das Thema ,,masculin – feminin“ ging der Frage, ob es eine eigenständige weibliche und/oder männliche Kunst gäbe, nach. Unter den 37 eingeladenen Künstlern waren rund zwei Drittel Frauen. Außer der virulenten und zeitimmanenten Fragestellung wartete diese Veranstaltung mit einer Novität auf: Über die traditionellen ,,trigon“-Länder hinaus wurde mit Teilnehmern aus der Bundesrepublik Deutschland, aus Frankreich, Großbritannien und der Schweiz erstmals eine geographische Erweiterung erprobt. Kernstück blieb aber nach wie vor der,,trigon“-Gedanke, der aber nun mit anderen europäischen Regionen konfrontiert werden sollte. Da sich dieses Konzept bewährte, wurde es bis heute beibehalten.

In den ,,trigon“-Veranstaltungen 1981 und 1983 kehrte schwerpunktmäßig, internationalen Strömungen folgend – ,,aperto 80″ als Extraschau der Biennale von Venedig muss hier als einer der Ansatzpunkte genannt werden —, das Tafelbild in die Ausstellung zurück. In unterschiedlichem Kontext -1981 ,,Auf der Suche nach den Autonomien – Der Regionalismus in der Kunst“, 1983 ,,Eros — Mythos — Ironie“ — spiegelte sich die Absage einer jungen Künstlergeneration an die grenzüberschreitenden Medien und die damit verbundene entschiedene Hinwendung zu einer ,,neuen Malerei“. Die als ,,junge Wilde“ apostrophierten Maler belegten einmal die eigenständigen regionalen Entwicklungen bzw. die unterschiedlich wirksame Kommunikation zu den internationalen Strömungen, das andere Mal ein Wiederaufleben starker Inhaltsbezüge im zweidimensionalen Kunstwerk. Insbesondere für die österreichische Kunstszene hatten die genannten beiden Ausstellungen wie auch die bisher letzte unter dem Titel ,,Synonyme für Skulptur“ im Jahre 1985 große Bedeutung. Eine große Anzahl von neuen Künstlerpersönlichkeiten trat auf den Plan und setzte sich in der Folge auch im internationalen Kunstgeschehen entscheidend durch. Die dreidimensionale Formensprache entwickelte sich teils aus der expressiven Malerei, teils aus dem Wiederaufgreifen und der Verwandlung von künstlerischen Ideen der siebziger Jahre. Bewusst erfasste der zur Diskussion gestellte Ausschnitt die unter dem Begriff ,,Postmoderne“ zusammengefassten Entwicklungslinien. Mit der Einbeziehung von Spanien öffnete sich ,,trigon“ einem lebendigen, in unserem Raum bisher wenig zur Kenntnis genommenen neuen Kulturkreis.

Die ,,trigon“-Idee hat sich bisher in zwölf unterschiedlichen Ausformungen manifestiert. Ihre Bedeutung für die jeweils zeitgenössische Kunst in der Steiermark und den Umgang mit Werken aus der Gegenwart für die Gegenwärtigen hat sie bei allen Inhalten, die einer ständigen Wandlung unterlagen, bewiesen. Den Kunstschock von einst hat die Zeit abgeschliffen, wie sie manche grundsätzlichen Reibeflächen geglättet hat. Aus dem ,,Nachholbedarf“ durch den Blick über die Grenzen konnten das Bedürfnis und die Aufgabe erwachsen sein, mit der Kunst unserer Zeit und dem Künstler neben uns – diesseits und jenseits von staatlichen Markierungslinien – zu leben und ihm einen festen Platz in der geistigen Struktur unserer Gesellschaft zuzuweisen.

WERNER FENZ, „TRIGON“: KUNST ALS PRoTOKOLL DER ZEIT in: Die Steiermark. Brücke und Bollwerk, Katalog der Landesausstellung 1986, Schloß  Herberstein Bei Stubenberg , Graz 1986  S. 519-523
ABBILDUNGEN: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung, NEUE GALERIE AM LANDESMUSEUM JOANNEUM
FOTOS: ARCHIV FENZ-KORTSCHAK
ausstellungskataloge  herausgegeben vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung und  der Neuen Galerie am Landesmuseum Joanneum  sowie ab 1975 auch vom steirischen Herbst:  ARCHIV FENZ-KORTSCHAK