2021 – Hannes Zebedin

Hannes Zebedin, Werner-Fenz-Stipendium für Kunst im öffentlichen Raum 2021

Zur Würdigung der Leistungen des Kunsthistorikers und Kurators Werner Fenz (1944-2016) hat das Kulturreferat der Stadt Graz ein Arbeitsstipendium für Kunst im öffentlichen Raum eingerichtet. Das Stipendium, wurde 2020 erstmals ausgeschrieben1 http://www.kultur.graz.at/kulturamt/189, gesehen am 25.5.2021 und 2021 vergeben.

Der Künstler

Marlene Hausegger, Porträt Hannes Zebedin

Marlene Hausegger, Porträt Hannes Zebedin

Hannes Zebedin

Geboren 1976 in Lienz, lebt in Sela na Krasu und Wien
1998 – 2004 Studium Volkswirtschaft und Politikwissenschaft, Universität Wien
2003 – 2008 Akademie der Bildenden Künste Wien, Performative Kunst und Bildhauerei, Prof. Monica Bonvicini
2005 – 2006 Hochschule für Bildende Künste Hamburg
seit 2010 Gründung des künstlerischen Forschungsprojektes HOTEL CHARLEROI 2https://hotelcharleroi.com/ gesehen am 25.5.2021 gemeinsam mit Adrien Tirtiaux und Antoine Turillon

„Der Bildhauer Hannes Zebedin befasst sich intensiv mit der Alpen-Adria-Region, in der er geboren und aufgewachsen ist und in der er zum Teil auch lebt. Er war bei mehreren Ausstellungs-Projekten über und in den Alpen beteiligt. In seinen Arbeiten analysiert er die Auswirkungen geopolitischer Strukturen auf die Landschaft und übersetzt seine politisch ambitionierte Kritik in Assemblagen aus unterschiedlichen bildhauerischen Versatzstücken, wie u.a. in der Ausstellung Transittradition in der Künstlerschaft Tirol 2018, die sich mit der Zurichtung der Landschaft für den Transitverkehr beschäftigte.“3SERPENTINE A TOUCH OF HEAVEN (AND HELL), Temporäre Kunstinterventionen entlang der Großglockner Hochalpenstraße, Kurator Michael Zinganel,  2020 – 2022, https://tracingspaces.net/heavenandhell/ gesehen am 25.5.2021

Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen sowie Projekte im öffentlichen Raum 4https://www.picuki.com/tag/hanneszebedin gesehen am 25.5.2021

Der  Projektvorschlag

Hannes Zebedin, Die Brücke, Entwurf 2015/2021

Hannes Zebedin, Die Brücke, Entwurf 2015/2021

Die Brücke

Das Konzept für die temporäre Intervention, leitet sich von einem zeitgeschichtlichen Ereignis ab, das sich im Jahr 1956 unweit von Graz an der ungarisch-österreichischen Grenze ereignet hat.

Es wurde erstmals für die OFF-Biennale Budapest 2015 entwickelt5https://www.number32.de/scouting/off-biennale-in-budapest.html gesehen am 25.5.2021 , aber „in Absprache mit dem Organisationskomitee der Biennale nicht umgesetzt, da es berechtigte Ängste vor regimetreuen Repressionen gab.“6Hannes Zebedin, Projektvorschlag die Brücke, Werner-Fenz-Stipendium 2021

Hannes Zebedin: „Zur Zeit des ungarischen Volksaufstandes 1956 flüchteten ca. 200.000 Ungar*innen nach Österreich, alleine 70.000 davon über die bekannte Brücke von Andau. Am 21. November wurde die Brücke von ungarischen Soldaten gesprengt. Die Flüchtlinge, die sich zu dieser Zeit in der Umgebung befanden, brachten den Wachturm an der Grenze zu Fall und errichteten damit eine Brücke. So gelang es noch einigen Personen zu flüchten, ehe das Militär einschritt. Abseits der spezifischen Situation und Zeit damals erlangte des Ereignis einen höheren metaphorischen Wert:  die Verwendung und Entwertung von einem machtpolitischen Instrumentarium für eigene (gesellschaftliche, soziale, etc. …) Zwecke.“

Hannes Zebedin, Die Brücke, Entwurf 2015/2021

Hannes Zebedin, Die Brücke, Entwurf 2015/2021

„Die Skulptur Die Brücke ist ein Wachturm, der liegend und mittels Gerüstbau erhöht, als Brücke verwendet werden kann. Sie soll an einer noch zu bestimmenden Stelle entlang des Grazer Mühlgangs installiert werden. Hannes Zebedin versteht seine Arbeit nicht als ausschließlich „Ungarn-spezifisch“, er thematisiert damit allgemein Autokratisierungstendenzen und die Missachtung von Menschenrechten, insbesondere im Bereich der Migration, die sich europaweit und global rasant verbreiten. In einer Audioinstallation im Wächterhäuschen am Ende des Turms werden Interviews mit zivilgesellschaftlich engagierten Personen mehrerer Länder zu hören sein, die auf die jeweiligen Missstände hinweisen.“7Presseaussendung  Werner-Fenz-Stipendium 2021, Kulturamt der Stadt Graz

Die Jury

Ekaterina Degot, Intendantin steirischer herbst
Britta Peters, Künstlerische Leiterin Urbane Künste Ruhr
Aleksandra Szymańska, Direktorin City Culture Institute Gdańsk
zweintopf,  Eva und Gerhard Pichler Künstler*innen

„Ein zu einer Brücke umfunktionierter Wachturm verweist nicht nur auf das historische Vorbild einer vergleichbaren Konstruktion als Fluchtweg während des Ungarischen Volksaufstands 1956, sondern allgemein auf die Bedeutung von zivilgesellschaftlicher Selbstermächtigung in Anbetracht von Autokratisierungstendenzen. […] Die Arbeit steht für die Forderung von Werner Fenz, ‚dass Kunst, für sich eine gesellschaftliche Verantwortung in Anspruch nimmt‘ und Alternativen in der Gestaltung und Nutzung des öffentlichen Raums aufzeigt.“8Begründung der Jury, Auszug. Presseaussendung Werner-Fenz-Stipendium 2021, Kulturamt der Stadt Graz

 Die Kooperation mit dem IKZ

Im Rahmen der Lehrveranstaltung Art-based Investigation am Institut für Zeitgenössische Kunst der Technischen Universität Graz unter der Leitung der Künstlerin Milica Tomić werden Studierende auf der Ebene der Produktion und der theoretischen Reflexion in die Realisierung des ausgewählten Projekts eingebunden.

„In this project, students will actively engage in the new Werner Fenz prize for an artistic project in public space. The winner of the prize (scholarship) will be announced during the course by the Culture Department of the City of Graz. The public art project will respond to decisive reflection and impulses for the development of public space. It will reflect on processes of social transformation, the idea of how art relates to social responsibility, and its power to stimulate dialogue.

Students will take part in producing a temporary art project where the conceptual strategy is geared towards infiltrating everyday urban life and engaging with existing public systems. The signs and actions of this public urban art will relate to economic, political, social, ecological or architectural-urban planning situations. The project will be anchored in public space and implemented in the city of Graz and should contribute to the discourse on current forms of art in public space.

Within the course, students will take part in the various processes of an art-production. They will be engaged in project production and theoretical reflection of the selected project.“9Milica Tomić, Artbased  Investigation, Winter Semester 2020 / 2021, IKZ Institute for Contemporary Art, Graz University of Technology https://izk.tugraz.at/semesters/incarceratedly-yours/ gesehen  am 26.5.2021

Der Beitrag wurde von Ulrike Fenz-Kortschak zusammengestellt
ABBILDUNGen: CopyrigHt MArlene Hausegger, Hannes ZebEDIN

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1. http://www.kultur.graz.at/kulturamt/189, gesehen am 25.5.2021
2. https://hotelcharleroi.com/ gesehen am 25.5.2021
3. SERPENTINE A TOUCH OF HEAVEN (AND HELL), Temporäre Kunstinterventionen entlang der Großglockner Hochalpenstraße, Kurator Michael Zinganel,  2020 – 2022, https://tracingspaces.net/heavenandhell/ gesehen am 25.5.2021
4. https://www.picuki.com/tag/hanneszebedin gesehen am 25.5.2021
5. https://www.number32.de/scouting/off-biennale-in-budapest.html gesehen am 25.5.2021
6. Hannes Zebedin, Projektvorschlag die Brücke, Werner-Fenz-Stipendium 2021
7. Presseaussendung  Werner-Fenz-Stipendium 2021, Kulturamt der Stadt Graz
8. Begründung der Jury, Auszug. Presseaussendung Werner-Fenz-Stipendium 2021, Kulturamt der Stadt Graz
9. Milica Tomić, Artbased  Investigation, Winter Semester 2020 / 2021, IKZ Institute for Contemporary Art, Graz University of Technology https://izk.tugraz.at/semesters/incarceratedly-yours/ gesehen  am 26.5.2021